
Von allen Motiven, die in meinem Studio in Innsbruck angefragt werden, taucht eines besonders oft auf: der Drache. Und das aus gutem Grund. Kaum eine Figur ist im japanischen Tätowieren so vielschichtig, so anpassungsfähig an den Körper und so tief in der Bildsprache verwurzelt.
Der japanische Drache, Ryū, ist kein Feuer speiendes Ungeheuer. Er ist ein Wasserwesen, ein Wächter, oft ein Bote zwischen Himmel und Erde. Wo westliche Drachen zerstören, bringt der japanische Drache Regen, Fruchtbarkeit und Schutz. Er ist mächtig, ja, aber die Macht wird als etwas verstanden, das im Gleichgewicht wirkt.
Das erklärt auch, warum Menschen sich für dieses Motiv entscheiden. Es geht selten um Aggression. Es geht um Stärke, die niemand ausstellen muss, um Schutz und um eine Verbindung zu etwas Größerem als der eigenen Person.
Ein paar der klassischen Varianten, die immer wieder aufgezeichnet werden:
Farben sind aber nie Selbstzweck. Sie werden in der Beratung an das Gesamtmotiv, an andere geplante Elemente und an den Körper angepasst.
Der Drache eignet sich besonders für großflächige Arbeiten – Rücken, Sleeves, Oberschenkel, ganze Bodysuits. Sein länglicher Körper folgt der Anatomie fast von selbst, windet sich um Schultern, zieht sich am Arm entlang, verschwindet und taucht wieder auf. Genau diese Bewegung ist es, die einen guten Drachen von einem statischen unterscheidet.
Deshalb entstehen Drachen in meinem Studio nie als fertige Vorlage von der Wand. Jedes Motiv wird von Hand gezeichnet, exakt auf die Stelle, an der es sitzen soll. Der Verlauf entscheidet über alles: Kopfrichtung, Windungen, wo Schuppen dicht sind und wo sie sich öffnen, wo Wolken oder Wellen den Übergang tragen.
Ein großer Drache ist kein Nachmittagsprojekt. Zwischen der ersten Skizze und dem letzten Schatten liegen oft mehrere Monate, verteilt auf mehrere Sitzungen. Das ist kein Umweg, das ist der Weg. Wer sich für dieses Motiv entscheidet, entscheidet sich auch für einen Prozess.
Und genau das ist es, was den Unterschied macht. Ein Drache, den du am Körper trägst, soll nicht nach ein paar Jahren wirken wie ein Trend, der vergangen ist. Er soll wirken wie etwas, das immer schon da war.
Weiterlesen:
– [Was der Kōi symbolisiert – vom Fisch zur Legende]
– [Wie ich einen Rücken aufbaue: vom ersten Strich bis zur letzten Sitzung]
Interesse an einem eigenen Motiv?
Die erste Beratung ist kostenlos und unverbindlich.
→ [Beratung anfragen]